Sonntag, 23. Oktober 2011

Die unverschämtesten Handwerkerausreden: Der Telekomiker

Eine Woche, zwei Kontakte mit Handwerkern. Vom Lüfter-Aus wurde bereits berichtet.

Ein Anfang: Die Geschichte mit der Gastherme

Der nächste Kontakt ergab sich aus einer Gasheizungs-Therme, die selbst ein eigenes Thema wert wäre (Heizungswartungen haben uns ja nun schon mehrfach beschäftigt). Die Therme funktionierte nicht (indem ich darüber schreibe, steigt mir wieder diese Handwerkerkundenwut hoch, vermutlich gibt es daher auch zu der Therme eine Blog-Post-Reihe).

Ru van Royem: La cité détruite
© Vera Kriebel, 2001


Warum unser Hausklempner keine Lust hat

Ich rufe beim Hausklempner an, der hat keine Lust (es geht um Garantie, also um Service seinerseits, nicht um Geld meinerseits) und schiebt vor, er sei im Urlaub. Ich solle die Firma anrufen, die seinerzeit die Therme eingebaut hat (damals war er damit beschäftigt, schwarz das Häuschen seines Zahnarztes instandzusetzen, was lukrativer war, als Stammkunden zu bedienen, und vermittelte uns an eine andere Klempnerfirma; dass er dafür Provision kassiert hat, ist eine böswillige Vermutung meinerseits).

Ein Termin, zwei Anrufe, kein Monteur

Das tue ich. Es wird ein Termin vereinbart. Für 12:30 Uhr am nächsten Tag. Ich bin ab 11:30 Uhr zu Hause in Handwerker-Bereitschaft. 13:30 Uhr ist immer noch keiner da. Ich rufe in der Firma an. Man will sich mit dem Monteur in Verbindung setzen, der wird mich dann zurückrufen. 14 Uhr: Bislang keine Reaktion.

Professionell auf Handwerkerisch

Erneuter Anruf in der Firma. "Aber der Termin ist doch für heute in der Liste, der muss doch längst erledigt sein, davon bin ich fest ausgegangen," kommt die erstaunlich prompte und professionelle Antwort, die geradezu Kompetenz verströmt. Diesmal lasse ich mich aber trotzdem nicht mit der vagen Ankündigung eines Rückrufs abspeisen, sondern bleibe dran. Das hat das Mädel am anderen Ende der Leitung natürlich nicht gerne, aber sie fügt sich mit Missbilligung zwischen den Zeilen. Schon eine Minute später hat sie die Angelegenheit mit dem Monteur geklärt (bei der geht wirklich alles fix, denke ich noch). Er habe zweimal angerufen, es habe sich keiner gemeldet, der Monteur sei aber trotzdem noch bei uns vorbeigefahren. Auf sein Klingeln habe sich aber ebenfalls keiner gemeldet. Da sei er wieder gefahren. 

Ich kann den Satz: "Aber ich bin seit 11:30 hier und hier ..." gar nicht beenden. Drohend sagt sie: "Und ich vertraue unserem Monteur!" Die sind inzwischen auf Rhetorikseminaren gewesen, verflucht. Das haben wir bestimmt alles den Marketinganstrengungen des Handwerksverbandes zu verdanken.

Hilflos - wieder einmal

Ich bin überrascht und überrumpelt, ich gebe es zu. Außerdem ist es kalt und die Therme funktioniert nicht. Ich bringe daher nur ein mäßig höfliches: "Und was machen wir jetzt?!" hervor. Die Tuss am anderen Ende der Leitung ist sofort wieder Service pur: "Rufen Sie bitte morgen zwischen 8 und 9 an, dann machen wir einen Termin aus." - aber natürlich in einem strengen Tonfall und einem, der deutlich macht, dass sie so nett und kulant ist, trotz meiner Unzuverlässigkeit.

Die Telekomiker-Ausrede

Nachbarn, denen ich mein Leid klage, kommentieren: "Das können sich aber auch wirklich nur Handwerker erlauben." Einer weiß sofort Analogien zu ziehen: Ob Telekomiker auch zu Handwerkern zählen? Ja, klar, das sind ja Nachrichtentechniker. Von denen weiß jeder in der näheren und weiteren Bekanntschaft sofort ähnliche Begebenheiten zu berichten. Dort gehören mehrmals so verpasste Termine schon fast zum guten Ton - wobei ich persönlich sagen muss, dass ich nie mit der Telekom oder ihren Subunternehmern Probleme gehabt habe - es sind aus irgendeinem Grund die einzigen Handwerker, die bei mir tatsächlich durch exzellenten Service und 1a-Leistung geglänzt haben. Nichtsdestotrotz wird diese Ausrede zur Telekomiker-Ausrede gekürt.

(* = technische Mitarbeiter der Telekom oder anderer Telekommunikationsunternehmen und ihrer Subunternehmer)

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